500 Millionen Europäer und 9 JUSOS - written by Gernot Marx

[Dienstag, 14. Juni 2011] Am Sonntag kehrte die 8köpfige Jusos "Mannschaft" von ihrer 4tägigen Brüssel Exkursion -müde aber glücklich - zurück. Neben einem hochspannenden politischen Programm bei verschiedenen europäischen Einrichtungen und Institutionen, lernten wir Brüssel als eine sehr bewegte, junge und dynamische und vor allem SÜSSE Stadt kennen.
500 Millionen Europäer und 9 JUSOS - written by Gernot Marx
Dass eine Reise nicht nur lustig, sondern auch äußerst spannend ist, haben die JUSOS Salzburg vom 9. bis 12. Juni 2011 auf ganz eigene Art und Weise erfahren. 9 junge und wilde Rote machten sich nämlich auf den Weg in die Hauptstadt der Europäischen Union um sie vier Tage lang unsicher zu machen.

Unsere JUSOS-Außenkorrespondentin, Doris Leichtfried, die gerade bei der European Party of Socialists für ein Praktikum gastiert, nutzte den persönlichen Draht und sorgte für ein abwechslungsreiches, spannendes EU-Programm der JUSOS Salzburg. Doris und Kathrin Hagn – unsere bezaubernde Jeanny – arbeiteten Hand in Hand ein Programm der Sonderklasse aus. Für die anfänglichen Schwierigkeiten konnten wir sie jedoch nicht verantwortlich machen.

Ankommen ist leicht. Hinkommen dagegen schwer. Donnerstag, 4.00 Uhr, Flughafen München. Bereits am Vorabend nach München angereist, machte sich die Mannschaft, etwas schlaftrunken, auf den Weg in Europas Hauptstadt. Jedoch nicht ohne dabei auf Wiederstand zu treffen. Kaum in Amsterdam gelandet, wurde der Anschlussflug nach Brüssel gestrichen. Grund dafür: Ein Streik des Bodenpersonals am Brüsseler Flughafen. Unser Unmut hielt sich jedoch in Grenzen, denn wer für mehr Rechte und fairen Lohn kämpft tut das Richtige. Außerdem war es nach einiger Wartezeit kein Problem nach Brüssel zu kommen – mit vier Stunden Verspätung Kurz in die Unterkunft und Koffer abgeben, schon ging es weiter.

Das EU-Parlament. Leicht(fried) gestresst und ziemlich gespannt auf den ersten Programmpunkt, trafen wir im EU-Parlament – fast pünktlich – ein. Nach der akkribischen Akkreditierung mit Fotosession führte uns Alexandra, die Assistentin des steirischen Europaabgeordneten Jörg Leichtfried, durch die kleine Stadt im Zentrum Brüssels. Wer zu diesem Zeitpunkt noch Vergleiche zum Österreichischen Parlament anstellte, wurde auf den ersten Schritten eines Besseren belehrt. Die zahlreichen Restaurants, ein Supermarkt, eigene Reinigung und das Fitnessstudio machen es unnötig das Parlament je zu verlassen. Amüsantes Detail am Rande: Auch die Post- und Bankfiliale mitten im Parlament wurden bereits zweimal überfallen – Täter bisher nicht gefasst.

JUSOS allein im Parlament. Einmal im Monat wandern die MEPs (Members of European Parliement) mit Sack und Pack nach Strassburg. Die heiligen Hallen staden uns somit - fast – allein zur Verfügung, da wir genau jene Woche erwischt hatten. Natürlich besetzten wir gleich die Plätze der Ausschussvorsitzenden im Ausschusssitzungssaal wo 20 ständige Ausschüsse mit der Vorbereitung der Arbeiten der Plenartagungen des Parlaments betraut sind. Jeder Ausschuss wählt einen Vorsitzenden und 4 stellvertretende Vorsitzende für eine Amtszeit von zweieinhalb Jahren und verfügt über ein eigenes Sekretariat.

736 Mitglieder machen 500 Millionen Bürger zu einem Europa. Im Anschluss wanderten wir vorbei an Kunstwerken, Postfächern (wo wir wieder die Namensgleichheit Leichtfried feststellen mussten) und über viele Treppen ins Plenum, in welchem die 736 Abgeordneten die Interessen der insgesamt 500 Millionen Einwohner der 27 EU-Mitgliedsstaaten vertreten. Diesmal durften wir trotzdem nicht in den Plenarsaal und mussten uns mit der, nicht minder beeindruckenden, Vogelperspektive auf das Plenum und die 23 Dolmetscherkabinen zufrieden geben.

Vorzimmer, Arbeitszimmer, Badezimmer. Zu guter Letzt führte uns Alexandra in den 14 Stock des Parlaments, in dem die 4 österreichischen Abgeordneten der S&D Fraktion (Socialists & Democrats) ihre Büros haben. Vom Vorzimmer der Assistenten über das Büro des Abgeordneten Jörg Leichtfried bis hin zum Badezimmer durften wir uns alles ansehen. Etwas typisch Österreichisches fanden wir auch dort vor: Mannerschnitten! Eine willkommene Zwischenmahlzeit bevor wir weiter zum nächsten Termin flitzten.

Verbindungsbüro des Landes Salzburg 1992 war Salzburg das erste österreichische Bundesland, welches ein EU-Verbindungsbüro einrichtete. Und nach ihrem Praktikum im Verbindungsbüro organisierte Salzburg’s derzeitige JUSOS-Botschafterin, Doris aka Dorli, natürlich auch gleich einen Termin für uns zu welchem uns Michaela Petz-Michez, die Leiterin des Büros, sehr herzlich begrüßte. Nach einer interessanten Präsentation wurde über die Bedeutung von EU-Projekten auf Landes- und Kommunalebene diskutiert und auch hier bekamen wir einen Eindruck, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Salzburg’s Regionen und der Europäischen Union ist. Kleiner Tipp: Das Verbindungsbüro liegt am Ende der Rue Frédéric Pelletier, ist theoretisch mit den Öffis der Stadt zu erreichen und am besten nicht nach einer 12 stündigen Anreise zu besuchen Ein Fußmarsch vom Parlament vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten empfielt sich trotzdem, jedoch nur mit gutem Schuhwerk

Die After Work Party am Place Lux Nach getaner „Arbeit“ ging es wieder zurück. Nach einer typisch belgischen Stärkung – Pommes mit Mayo, Frikadelle & Co – ging es direkt vors Parlament auf den Place Lux. Schon im Vorfeld haben wir von den sagenhaften After Work get-togethers erfahren und wurden nicht enttäuscht. Jeden Donnerstag begeben sich ca. 1.000 Menschen – manchmal mehr, manchmal weniger – auf den Platz vor dem Parlament um nach der Arbeit bei einem gemütliches get together zu entspannen. Jede Woche wird hier die, wahrscheinlich größte, EU-Party der Stadt gefeiert. Getränke bringt man selber mit oder bedient sich der Zahlreichen Bars rund um. Wir empfehlen, die Rasenfläche und das Denkmal in der Platzmitte. Dort lernt man ziemlich schnell neue Menschen kennen und erfährt dabei so einiges mehr. Ein MUST SEE für alle EU-Interessierten Brüsselreisenden. Insider Tipp aus dem Parlament: Freitags ist in Brüssel nicht der stressigste Tag, da die MEPs schon Donnerstags nach Hause fliegen. Diesen Vorteil nutzen natürlich nicht nur MEP Mitarbeiter und Praktikanten…

TAG 2 – Die Sozialdemokratie auf Europaebene Nach einem kleinen Frühstück machten wir uns auf den Weg zur PES – der Party of European Socialists. Terence, der Leiter der PES Activists, erzählte uns von der derzeitigen Situation der Europäischen Sozialdemokratie und seinen Projekten. Unter anderem gibt es in ganz Europa 135 city groups, welche sich besonders um die Koordination regionaler und europäischer Basis-Aktivitäten bemühen. Ob es eine City group in deiner Nähe gibt erfährst du hier. Mitglieder der PES-Mitgliedsparteien, wie SPÖ-Mitglieder, sind seit 2005 auch automatisch auch Mitglieder der PES und können u.a. die Vorteile der PES Activists gratis nutzen. Infos dazu gibt’s mit einem Klick hier. Nach einer kleinen Tour durch die Büros und einem kurzen Kennenlernen der PraktikantInnen mussten wir uns allerdings schon wieder auf den Weg machen um einen höchst interessanten Termin nicht zu verpassen…

FEPS – Das Renner Institut Europas Die Federation of European Progressive Studies ist mit anderen Worten das Renner Institut auf Europaebene und doch gab es hier noch viel mehr zu erfahren. Für die JUSOS Salzburg nahm sich Ernst Stetter, der Generalsekretär der FEPS, Zeit um über sich, die Aufgaben und Projekte der FEPS sowie Zukunftsweisendes für die europäische Sozialdemokratie zu sprechen. Stetter arbeitete unter anderem für die Friedrich Ebert Stiftung (FES) in Deutschland, dem Senegal und Paris bis er 2003 die Leitung des FES-Brüssel-Büros übernahm. 2008 wurde er Generalsekretär die FEPS.

Unter anderem diskutierten wir mit Stetter über das Bewusstsein für mehr Offenheit und Austausch einer internationalen Sozialdemokratie. Damit traf er natürlich den Nagel auf den Kopf und motivierte unsere Brüsselreisenden best practices mit anderen sozialdemokratischen Jugendorganisationen auszutauschen. Buchtipp: Next left, ist ein Buch der FEPS in Zusammenarbeit mit dem Renner Institut. Jeder von uns bekam ein Exemplar geschenkt und hat die ersten Seiten bereits beim Lunch durchgeblättert VIELEN DANK!

AdR – Europa beginnt in seinen Regionen Es klingt komplizierter als es eigentlich ist. Denn der Ausschuss der Regionen ist kein Ausschuss wie jene im EU-Parlament. Es ist vielmehr eine politische Versammlung, die den lokalen und regionalen Gebietskörperschaften im Zentrum der Europäischen Union Gehör verschafft. Unser Ruf eilte uns voraus, denn Matthieu, ein Mitarbeiter der PES Group im AdR, hatte sich akkribisch auf kritische Fragen vorbereitet und erzählte uns dabei auch pikante Details, die jeder kennt, aber trotzdem nicht darüber spricht. Unter anderem erfuhren wir auch, dass der ehemalige Landeshauptmann Salzburgs – Franz Schausberger – als einziger Vertreter im AdR sitzt ohne dabei über ein Mandat, in seiner Region zu verfügen oder der regierenden Partei – der SPÖ – anzugehören. Ein Deal der Koalition? Es blieb offen. Was jedoch nicht offen blieb, waren die Grundsätze des AdR: Subsidiarität, Bürgernähe und Partnerschaft. Besonders über die Definition der Subsidarität machte uns Matthieu aufmerksam und nannte dabei praktische Beispiele vom Gurkenkrümmungsgrad bis zum Autobahnbau. Zu guter Letzt holten wir uns noch einen Tipp für’s Abendessen und schon mussten wir uns von den Regionen Europas verabschieden.

BelgoBelge & private party night Man lernt aus Erfahrung. Weil Pommes, Frikadell & Co an einem Standl’ keine Option für ein weiteres Abendessen waren, hörten wir auf den Tipp namens Restaurant Belgo Belge. Wieder eine kluge Entscheidung der JUSOS, denn es war, nach einem Marsch durch das Afro-Viertel der Stadt, eine urbane und zeitgleich unkonventionelle Alternative zum frittierten belgischen Klassiker Pommes. Nach dem Essen kam der Fußmarsch gerade richtig, bei dem wir – wieder einmal – das gesamte Regierungsviertel durchquerten und schließlich orientierungslos vor der Haustür einer Freundin von Doris standen, die uns kurzerhand alle zu einer privaten Party in ihr Haus eingeladen hatte. Wieder trafen wir Menschen aus ganz Europa und jeder erzählte vom Leben in Brüssel, im Heimatland, der Arbeit und stellte uns wiederum neue Freunde vor. Kulinarischer Tipp: Das Restaurant Belgo Belge. Ein MUSS für jeden Brüsselaufenthalt!

Tag 3. Von Stehpinklern, Tintin und den Busos Wir mussten noch dringend das Sight Seeing Programm abarbeiten und begaben uns am Samstag – ausgeschlafen – zum Grand Place. Das Herz der Brüssler Innenstadt ist gespickt von spannenden Details. Schokolade von Godiva (ziemlich teuer) oder Neumann (günstiger und auch ganz lecker) waren die Objekte der Begierde unserer Schokofans. Den Hunger konnte die brüssler Schokomaffia jedoch nicht stoppen und so ging es weiter zu den zahlreichen Waffelläden. Der kleine pinkelnde Mann, Manneken pis, wurde natürlich ebenso besichtigt wie das Instrumentenmuseum, Atomium und andere Sehenswürdigkeiten.

JUSOS-Waffel-Tipp: Ein kleiner Laden mit der Aufschrift „Australian Waffles“ zwischen Grad-Place und Grasmarkt.

BUSOS. Die flämischen JUSOS? Abends hatten wir ein Date mit den Busos – aka Animo. Animo ist die flemische jugendorganisation in Belgien. Wir trafen Maite Morren in einem typisch belgischen Restaurant mit Freunden und probierten eine weitere Spezialität – Creppes gefüllt nach Lust und Laune, sauer, süß oder natur pur. Auch das ein oder andere belgische Bier wurde bei dieser Gelegenheit verkostet. Schade nur, dass niemand auf die durchschnittlich 8 % Alkohol pro 0,33 l Flasche Bier hinwies… Im Anschluss führte Maite vorbei an der Börse, durch die „Fressmeile“ hinter den Grand Place wo im hintersten Eck das Dilirium wartete. In diesem Fall handelte es sich allerdings nicht um eine Störung des Bewusstseins. Viel mehr ist das Cafe Delirium ein belgisches Bier-Pub in dem wir aus mehr als 2.000 Biersorten auswählen konnten. Österreichisches Bier gab übrigens auch auf der Karte. Jedoch kannten wir nur wenige Sorten und bei Fosters wussten wir, dass der Unterschied zwischen Austria und Australia noch nicht ganz bekannt war.

4. Tag. Home sweet home. Der letzte Abend war also gelaufen. Die JUSOS mussten wieder zurück nach Salzburg und begaben sich nach einem kurzen Waffel-Frühstück auf eine wenig spannende, dafür aber problemlose Heimreise. Einmal wurde es noch spannend, denn unsere lieben Kollegen des VSSTÖ Salzburg, Mario und Daniel, holten uns mit bester Laune vom Münchner Flughafen ab. Home sweet home. Salzburg du hast uns wieder. Was bleibt sind 500 Millionen Eindrücke, neue Ideen und die Vorfreude auf ein Wiedersehen auf dem IUSY World Festival 2011 am Attersee. Gernot Marx

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