Moitzi: Zukunftschancen statt prekärer Arbeitsverhältnisse!

[Montag, 28. Juni 2010] Pflichtpraktika bilden in vielen schulischen und hochschulischen Ausbildungen einen wichtigen Bestandteil, der den Auszubildenden praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt und im facheinschlägigen Tätigkeitsbereich vermitteln soll. Nach Schätzungen absolvieren in Österreich allein jährlich etwa 130.000 SchülerInnen in den Ferien ein Pflicht- oder fakultatives Praktikum bzw. einen Ferienjob.
Moitzi: Zukunftschancen statt prekärer Arbeitsverhältnisse!
In den letzten Jahren sind Pflichtpraktika zunehmend in die Studienpläne der Hochschulen aufgenommen worden. Darüber hinaus werden Praktika immer mehr zur „Regel“, wenn es für Schul- oder HochschulabsolventInnen darum geht, in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Für viele hochqualifizierte MaturantInnen und AkademikerInnen in bestimmten Feldern (z.B. kreative und soziale Berufe, Medien, NGO´s) ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt nur über ein oder sogar mehrere unbezahlte Praktika möglich. Tausende Jugendliche und junge Erwachsene sind aber gerade in diesen Arbeitsverhältnissen mit sehr unsicheren Einkommenschancen konfrontiert: Sie leisten viel Arbeit und bekommen dafür wenig bis kein Geld und müssen sich mit fehlenden Plätzen für die zu absolvierenden Pflichtpraktika herumschlagen. Zudem mangelt es oftmals an der Qualität der Ausbildung, sowie an sozial- und arbeitsrechtlichem Schutz. Viele PraktikantInnen müssen Hilfstätigkeiten übernehmen und erhalten dafür mitunter nicht einmal ein Entgelt oder lediglich ein „Taschengeld“. Auch von einer adäquaten Betreuung seitens der PraktikumsanbieterInnen und einer angemessenen Vor- und Nachbereitung seitens der Bildungsinstitutionen kann oft keine Rede sein. Unbezahlte Praktika gehören sicher zu neuen Formen der Ausbeutung durch Unternehmen unter dem "Deckmatel" eines jungen, modernen Beschäftigungsverhältnisses. Tatsächlich handelt es sich aber oft um sehr zweifelhafte Arbeitsverhältnisse, egal ob sie während der Ausbildung als Pflichtpraktika verordnet sind oder nach abgeschlossener Ausbildung zum Berufseinstieg ausgeübt werden. Gefordert sind deshalb faire Arbeitsverhältnisse für Junge: 1.Klare Definition von Praktika (Pflichtpraktikum während Ausbildung, Praktika nach der Ausbildung mit konkreten Inhalten) 2.Schluss mit der „Generation Praktikum“: Jugendliche, die eine Ausbildung abgeschlossen haben, sollen nicht mehr als PraktikantInnen angestellt werden, sondern in ein normales Arbeitsverhältnis kommen – Verbot unbezahlter Praktika nach einer erfolgreichen facheinschlägigen Ausbildung! 3.Praktika während einer schulischen oder universitären Ausbildung (Pflichtpraktika) müssen gesetzlich geregelt werden – inklusive Mindeststandards (Pflichtversicherung, Mindestlohn). Daher braucht es ein Praktikumsgesetz für alle Pflichtpraktika! 4.Volle arbeits- und sozialrechtliche Absicherung der PraktikantInnen 5.Zuständigkeit der Bildungseinrichtungen für die Unterstützung, Begleitung und Beratung der PraktikantInnen vor, während und nach dem Praktikum:Regelungen in den ausbildungsrechtlichen Vorschriften (Lehrpläne), wonach die vorgesehenen Praktika entsprechend vor- und nachbereitet werden 6.Klare Regelungen für den Ersatz des Praktikums und Angebot von Ersatzmöglichkeiten an Bildungsinstitutionen, wenn kein Praktikumsplatz gefunden wird bzw. die arbeits- und sozialrechtlichen Mindeststandards vom Betrieb nicht eingehalten werden
Tags für diesen Artikel:
Twitter Bookmark Moitzi: Zukunftschancen statt prekärer Arbeitsverhältnisse!  at del.icio.us Facebook Google Bookmarks Technorati Moitzi: Zukunftschancen statt prekärer Arbeitsverhältnisse! Bookmark Moitzi: Zukunftschancen statt prekärer Arbeitsverhältnisse!  at YahooMyWeb Print this article! E-mail this story to a friend!